Dem „Wie“ der Dinge einen Raum geben
– zu meinen Folienschnitten


Was ist dazwischen? Zwischen dem Ding, das die Linie ist, und dem Ding, zu dem sie im Raum und in unserer Wahrnehmung wird? Ist das vielleicht gar keine Frage nach dem „Was“ sondern eine Frage nach dem „Wie“, das immer nur im Werden passiert und das nicht festzuhalten ist? Dieses Dazwischen interessiert mich.

Meine aus dem großformatigen Hochdruck entwickelten Folienschnitte empfinde ich als in den Raum gedruckte Linien und Flächen. So wie der Raum, den sie einnehmen, nicht festgelegt ist, sind auch sie zugleich bestimmt und unbestimmt. Die harten Schnittkanten sind frei geschnitten und bewegen sich im Luftzug. Licht wandert im Lauf der Zeit über die Oberfläche, Schatten werden an die Wände geworfen und vergehen wieder. Anders als im Schutzraum des Papiers sind die Linien und Flächen, so wie das Material aus dem sie bestehen, direkt dem Betrachter und der Umgebung ausgeliefert. Die Luft, die Wärme oder Kälte, der Raum und das Dahinter werden Teil des
Bildes.

Man kann Affenmenschen erkennen, Kletterer, Hängende. Sie beobachten, durch Wände, Dinge, die uns verborgen bleiben. Sie sind Suchende, suchend nach sich selbst. Sie sind auch Spielende, sie spielen mit den Linien, aus denen sie bestehen. Starr und gefangen bewegen sie sich gleichzeitig in einem andauernden Prozess der Befreiung. Gedanken werden zu Fäden und Körperteile zu Gedanken. Wo hört die Linie auf, wo fängt die Figur an? Oder besteht beides zugleich und es ist nur eine Frage der Frage nach dem „Was“ oder dem „Wie“? Figuren und Räume entstehen, wir geben ihnen Gestalt. Versuchen wir, sie festzulegen und fragen stattdessen nach dem „Was“, lösen sie sich auf. Linien sind dann einfach nur Linien, Stücke zerschnittener Folie im Raum.

N.J.B.